Hochsensibilität & berufliche Selbstständigkeit

5 häufige Fallstricke für hochsensible Unternehmer

Zu diesem Blog-Artikel hat mich das Buch „Hochsensibilität und die berufliche Selbstständigkeit: Wie sich ein Sensibelchen selbstständig machte und seine Lösung für das hochsensible Berufsleben fand“ meiner lieben Kollegin Sandra Tissot inspiriert.
Sie zeigt in ihrem Buch ihren persönlichen Weg aus dem Angestellten-Dasein, rein in die berufliche Selbstständigkeit.

Das sind 5 häufige Fallstricke für hochsensible Unternehmer:

1. Timing bzw. Zeit-Management

Da gerade hochsensible Menschen ihre „Antennen“ ständig auf Empfang haben, kann sie manchmal schon ein überraschender Anruf, eine auf dem Bildschirm angezeigte, gerade eingegangene E-Mail oder eine WhatsApp-Nachricht aus dem Workflow bringen.
Eben war man noch dabei ein nettes Anschreiben zu formulieren und plötzlich geht nichts mehr. Bis der Hochsensible dann wieder im Anschreiben „drin“ ist und den Faden wieder aufgenommen hat, ist wertvolle Zeit verstrichen. So passiert es schnell, dass man für die simpelsten Aufgaben das Doppelte der Zeit benötigt. Über den Tag gesehen ist das keine gute Voraussetzung für erfolgreiches Arbeiten.
Bei deiner Arbeit solltest Du für so wenig wie möglich Ablenkung sorgen. Nur so kannst Du dich auf deine Aufgaben konzentrieren und effektiv arbeiten. Stelle zum Beispiel dein Smartphone auf leise oder schalte es gleich mal für eine gewisse Zeit aus. Du kannst die nicht angenommenen Anrufer später zurück rufen.
Am besten machst Du dir – neben deiner To-do-Liste – einen Prioritätenplan. So kannst Du zum Beispiel für dich festlegen, dass der Montag hauptsächlich dem Abarbeiten der To-do-Liste gewidmet ist, während der Dienstag hauptsächlich für Buchführung reserviert ist usw..
Hast Du so alle Wochentage mit einer Priorität versehen, kannst Du dich viel besser auf deine Arbeit konzentrieren.
Vergiss nicht dir genügend Ruhepausen einzuplanen. Gerade als hochsensibler Mensch brauchst Du häufiger kleine Pausen. Das hilft nicht nur Reizüberflutung abzubauen, sondern kann auch helfen die täglichen Aufgaben mit dem manchmal nötigen Abstand zu erledigen.

2. „Ja“ sagen und „nein“ denken

Ein Kunde ruft spontan an und fragt, ob Du die Dienstleistung, die eigentlich für Mitte der kommenden Woche geplant war, nicht doch vielleicht bis Ende dieser Woche hinbekommst, denn es sei wirklich wichtig! Du hörst dich noch leise – wie unter Hypnose – „ja, kein Problem“ sagen und ein „Sie haben mich gerettet! Danke!“, von deinem Kunden. Dann ist das Telefon wieder still und dein nahendes Wochenende ist gelaufen…
Wenn ein Hochsensibler etwas gar nicht abkann, dann sind es unerwartete Planänderungen. Womöglich ist für diese Dienstleistung auch noch Kreativität gefragt. Spätestens dann streikt das Gehirn des Hochsensiblen. Vielleicht kennst Du das noch von Arbeiten in der Schule. Unter plötzlich aufgebauten Zeitdruck leisten wir nur mit sehr großer Anstrengung unser Maximum.
Selbstverständlich ist es auch nicht gut in dieser Situation sofort „nein“ zu sagen, aber ein: „Oh, das kommt jetzt aber sehr überraschend. Wissen Sie was? Ich werde mal schauen, ob ich es irgendwie beschleunigen kann. Kann ich Sie morgen Vormittag diesbezüglich anrufen?“, sorgt auf beiden Seiten für Entspannung und Du hast dir einen Zeitpuffer eingebaut. Noch wichtiger, Du hast dich selbst in diesem Augenblick nicht „verkauft“. Denn meistens setzt den Hochsensiblen nicht nur der Druck der schnellen Arbeit zu, sondern das sie sich auch noch vom Kunden so schnell haben „überfahren“ lassen. Häufige Gründe dafür sind: Streben nach Harmonie und der Wunsch es jedem Recht zu machen. Und der Ärger allein darüber, hallt erfahrungsgemäß sehr lange nach…

Hochsensible Selbstständige haben nicht mehr Freizeit, aber sie definieren, wann sie Freizeit haben.

Sandra Tissot

3. Das „Gedanken-Karussell der Angst“

Ich kann mir vorstellen, dass Du auch schon einmal mitgefahren bist. Das „Gedanken-Karussell der Angst“ kann ganz plötzlich starten und bringt dich komplett aus deiner Mitte.
Du liegst in deinem warmen Bett, hast ein Dach über dem Kopf, der Kühlschrank ist voll und plötzlich fragst Du dich: „Was wenn ich morgen plötzlich nicht mehr arbeiten könnte?! Wer deckt dann meine laufenden Kosten?“
Das Tückische daran: Es ist eine Fantasie. Reagieren kannst Du aber nur auf das, was wirklich passiert. Selbstverständlich sollte man so gut wie möglich vorsorgen, aber wenn Du dir ausmalst, dass morgen vielleicht die Welt untergeht, helfen dir auch die besten Vorsorgepläne nicht. Und seien wir doch mal ehrlich: Wie oft hast Du schon etwas befürchtet und am Ende ist es ganz anders ausgegangen, als Du dachtest.
Versuche dich als Zuschauer zu sehen, der sich das Theater seines Lebens von der ersten Reihe aus anschaut. Und wenn deine Gedanken wieder mal in die tiefsten Befürchtungen abtauchen, nimm Abstand und frage dich: Ist es wirklich so? Oder ist es wieder nur das „Gedanken-Karussell der Angst“? Ist die Situation wirklich „bedrohlich“ für dich, dann handle und tue, was Du tun kannst. Ansonsten versuche Abstand zu bekommen.

4. Perfektionismus

Von Hochsensiblen höre ich öfter: „Also wenn ich noch einen Kurs besucht und dieses eine neue Buch gelesen habe, bin ich bereit für dieses Projekt/diese Dienstleistung.“ Häufig werden aus dem einen Kurs mehrere Kurse und aus dem einen Buch eine ganze Schrankwand. Und noch schlimmer: Häufig fängt derjenige dann gar nicht mehr mit dem Projekt an.
Stellen wir uns mal vor, Du bist ein Künstler und möchtest ein Bild malen. Der Perfektionist überlegt sich genau was wo und in welcher Farbe auf der Leinwand entstehen soll. Nennen wir es mal „Ziel-Bewusstsein“. Im besten Fall malst Du jetzt genau das Bild deiner Träume. Im schlimmsten Fall fällt dir kurz vor dem Ansetzen deines Pinsels ein, dass die geplante Farbe, oben links in der Ecke, vielleicht doch eine andere Nuance haben sollte. Du fängst an zu grübeln. Plötzlich passt das eine nicht mehr zum anderen. Du legst den Pinsel zur Seite und überlegst dir das Bild morgen zu starten.
Starten wir den Prozess noch einmal, aber dieses Mal mit einem „Prozess-Bewusstsein“: Du hast dir das Bild grob überlegt, die Farben liegen bereit und Du startest einfach mit dem Malen. Während Du malst fällt dir auf, dass Du das Bild durch eine kleine farbliche Veränderung noch eindrucksvoller gestalten kannst. Und während Du in diesem Prozess bist, verändert sich das Bild. Am Ende hast Du vielleicht ein ganz anderes Bild, als das was Du grob geplant hast, aber dieses Bild wird höchstwahrscheinlich viel mehr Ausdruck besitzen, weil es „entstanden“ ist und nicht einfach im Detail geplant war.
Mit „Prozess-Bewusstsein“ lassen wir unsere Gabe der Intuition mit einfließen und können so viel schönere Dinge vollbringen.

5. Sich vergleichen

Kennst Du das? Du ließt gerade ein Magazin aus deiner Branche oder einen Business-Artikel im Internet und stolperst plötzlich über eine Biografie:
„Hat die besten Unis der Welt besucht, spricht 5 Sprachen fließend, besucht pro Woche sechs Kongresse als Keynote-Speaker und hat allein im letzten Jahr zwei Bücher geschrieben.“
Peng…
Du schaust auf deine Vergangenheit und denkst dir: „Ok, irgendwo bin ich scheinbar falsch abgebogen…“
Nein bist Du nicht! Eines der schlimmsten Dinge, die ein hochsensibler Mensch machen kann, ist sich mit anderen Menschen zu vergleichen. Ja, ein Normalsensibler sollte es auch nicht tun, aber gerade bei einem HSPler geht das Ganze noch einwenig tiefer und kann sogar in eine Lethargie führen. Frei nach dem Motto: „Ok, mich braucht keiner mehr, denn es gibt schon genug Erstklassige in meiner Branche…“
Mir hat mal jemand ein schönes Gleichnis dazu erzählt: Stell dir mal vor, zehn Künstlern wird die Aufgabe gestellt, die Mona Lisa zu malen. Es geht nicht darum eine Kopie zu erstellen, sondern die Mona Lisa so zu interpretieren, wie der Künstler es möchte.
Meinst Du, Du könntest Dich anschließend für eines der fertigen Bilder entscheiden? Klar, oder? Eines dieser Bilder wird dich ansprechen, mehr als die neun anderen. Würde es dich dann noch interessieren, wo und was der Künstler gelernt hat? Höchstwahrscheinlich nicht, denn seine Arbeit spricht für sich.
Genau so ist es auch in der Arbeitswelt. Wenn Du ein weiterer Coach in deiner Stadt werden möchtest oder vielleicht schon bist, ist es egal wie viele es neben dir gibt. Entscheidend ist deine Art oder anders gesagt: Es kommt nicht so sehr darauf an was Du tust, sondern wie Du es tust!

Egal was Du jetzt tust oder tun möchtest, ich wünsche dir eine klare Intuition und viel Erfolg dabei!
Danke für deine Zeit.

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Mehr zum Thema Hochsensibilität und berufliche Selbstständigkeit erfährst Du in dem Buch von Sandra Tissot

2017-06-08T17:01:46+00:00

About the Author:

Ich bin Coach & Strategieberater. Als Coach habe ich mich auf die Hochsensibilität spezialisiert und als Strategieberater helfe ich Unternehmen ihr Marketing zu optimieren.

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